Im Gratulierium

Gratuliere!

Mit diesem Wort habe ich mich über Benedikt Narodoslawsky von der Wiener Stadtzeitung „Falter“ lustig gemacht, weil er auf Twitter seinen Chef im direkten Gepräch gelobt hat (siehe Tweet unten). Er hätte auch, meinte ich, ins Nebenbüro gehen und es ihm unter vier Augen sagen können. Hätte ich souveräner gefunden.

Ein paar Leute sahen es ähnlich, es folgten etliche harmlos-hämische Gratulations-Tweets. So weit, so deppert, so schnell auch wieder vorbei.

Bildschirmfoto 2014-10-16 um 19.56.04

Der Kollege sah sich jedoch veranlasst, eine Szene zu machen und in seinem Blog zu einem Mimimi der Extraklasse auszuholen. Mit dem bemerkenswerten Schlusssatz, dass er sich von so „substanzloser Kacke“ nicht „anpissen“ ließe. Ja, eh. Knapp 6000 Zeichen deuten auf enorme Coolness.

Der Inhalt seines Textes? Relevante Teile handeln von (der unbestrittenen) Arbeitsintensität und -qualität seines Chefs, was aufmerksame Leser dazu bringen könnte, ein Muster zu erkennen.

Auch die Aufzählung anderer Kollegen, die Narodoslawsky bereits gelobt habe und die zeigen sollten, wie völlig normal der Gratulations-Tweet an seinen Vorgesetzten gewesen sei, lenkt nur von dem einen, kleinen Aspekt ab, auf den ich eigentlich hinweisen wollte:

WER SEINEN CHEF AUF TWITTER
IM DIREKTEN GESPRÄCH LOBT,

IST FÜR MICH EIN SCHLEIMER.

Meine Meinung. Und die vieler Anderer. So etwas sollte man (zumal als Journalist, der selbst gerne austeilt) aushalten, wie ich meine. Hätte man zum Bespiel ignorieren oder mit einem lässigen Schmäh parieren können. Oder ein herzhaftes „Volltrotteln“ absondern können. Dass Narodoslawsky mit Beleidigen und Abkanzeln kein grundsätzliches Problem hat, merkt man ja an seinem Blog-Beitrag.

Aber eine dünnhäutige Mobbing-Nummer abziehen? Jössas.

PS: Ich halte es nicht einmal für besonders schlimm, ein Schleimer zu sein. Ist ja nur eine Facette des Ganzen. Wir alle haben negative Seiten. Ich zum Beispiel kann ungerecht, jähzornig und unbeherrscht sein. Allerdings gestehe ich mir meine beträchtlichen Defizite ein. Und zu jedem, der dies ebenfalls wenigstens versucht, sage ich ein ernstgemeintes: Gratuliere!

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