Tweet petit – ein Twitter-Dramolett in drei Akten

1. AKT

Ein Tweet.
Ein Fav.
Ein Retweet.

Ein Gegenargument.

2. AKT

Herr Kofler gratuliert.
Die Czekay schickt Herzeln.
Der Heshmatpour macht sich auch noch lustig.
Der Renner überlegt, mit wem er über den Heshmatpour reden soll.
Der Rabl weiß alles besser.
Die Koller sagt es ihm.
Die Czekay auch – nur deutlicher.
Der Rabl mault zurück.
Die Alvir sagt ihm, er soll scheißen gehen.
Der Fussi will, dass die Alvir die Staatsbürgerschaft verliert.
Der Wolf teilt mit, dass er seinen Staatsbürgerschaftsnachweis, wenn er wollte, via Facebook 5 Millionen Menschen zeigen könnte.
Der Hechl fragt ihn, wen das interessiert.
Die Frank richtet dem Hechl aus, er möge seine Pappn halten.
Der Sickinger findet, die Frank hätte ein #ff verdient.
Die Czekay teilt Sickinger mit, wohin er sich seine Empfehlungen stecken kann.
Der Pink findet, dass die Czekay recht hat.
Der Wolf beleidigt den Pink.
Der Hoflieferant beleidigt den Wolf.
Die Frank beleidigt den Hoflieferanten.
Der Herr Kofler zeichnet einen nackten Popsch.
Der Kosak meint, eine Diskussion, in der es nicht um Regierungsinserate geht,
könne er nicht ernst nehmen.
Der Wuchale schüttelt den Kopf.
Der Klausner steigt erst jetzt ein: er beginnt die Diskussion zu faven.
Die Koller wirft ein paar Nonmentions in die Runde.
Der Fussi fordert, dass der Koller das Wahlrecht entzogen wird.
Der Pendl sagt, das wäre egal. Hauptsache, die Pensionen sind sicher.
Die Lahartinger sagt: es gibt gar keine Pensionen. Alles Fake.
Der Bärnthaler gibt zu bedenken, dass man sich halt nie sicher kein kann. Bei nix.
Der Fleischhacker zieht sich empört zurück:
Bitte, wie soll man dagegen sein, wenn es keine Stoßrichtung gibt?
Der Hechl beleidigt den Fussi.
Der Alm favt das.
Der Chmelar reimt Fussi auf Tussi.
Der Prokopetz warnt vor dem Weltuntergang.
Der Wuchale schüttelt den Kopf.
Der Klausner ist mit den ersten 100 Favs fertig.
Der Klenk macht Snapshots für die nächste Falter-Story.
Der Narodoslawsky gratuliert dem Klenk.
Der Herr Kofler gratuliert dem Narodoslawsky.
Der Pink gratuliert auch.
Der Narodoslawsky weint und schreibt einen Blogbeitrag.
Der Settele meint, mit einer Glock ließe sich das alles regeln.
Die Moosmann schreibt „Alphadeppen“.
Die Koller favt das.
Die Czekay favt das.
Die Alvir favt das.
Die Kreulitsch wirft den Begriff Titten in die Diskussion.
Die Lahartinger sagt: es gibt gar keine Titten. Alles Fake.
Der Bärnthaler erinnert daran, dass halt nix sicher sei auf der Welt.
Die Steinitz liest in Hamburg mit – und fährt auf ein Auto auf.
Der Wuchale schüttelt den Kopf.
Der Chmelar schüttelt einen Reim.
Der Hechl schüttelt sich vor lauter Aufregung sein Bier über die Zillertaler Lederhose.
22 Twitterer faven das.
Der Unger sagt, daran merkt man wieder, dass der Hechl ein Dodl ist.
22 Twitterer faven das.
Die Hassan meint, der Hechl gehört sowieso schon längst ins Bett.
22 Twitterer faven das.
Herr Kofler zeichnet dem Hechl ein neues Bier.
Der Wolf schreibt, wenn er jetzt ein Bier zeichnete, wäre ganz Amerika durstig.
Die Lahartinger sagt: es gibt gar kein Bier. Alles Fake.
Der Bärnthaler sagt: Blödsinn! Bier gibt es. Da könne man sich sicher sein.

3. AKT

Gegen null Uhr steigt der Buchegger aus seiner Gruft
und arbeitet das Twitter-Dramolett filosofisch auf.

Drei Stunden später setzt der Klausner seinen letzten Fav.
Er weiß: Jetzt muss er schnell schlafen.
Denn schon bald wird er wieder gebraucht.
Er wird in dieser Nacht von einem Falter-Cover träumen, das einen biertrinkenden Wolf mit Fake-Titten zeigt.

Advertisements

Im Gratulierium

Gratuliere!

Mit diesem Wort habe ich mich über Benedikt Narodoslawsky von der Wiener Stadtzeitung „Falter“ lustig gemacht, weil er auf Twitter seinen Chef im direkten Gepräch gelobt hat (siehe Tweet unten). Er hätte auch, meinte ich, ins Nebenbüro gehen und es ihm unter vier Augen sagen können. Hätte ich souveräner gefunden.

Ein paar Leute sahen es ähnlich, es folgten etliche harmlos-hämische Gratulations-Tweets. So weit, so deppert, so schnell auch wieder vorbei.

Bildschirmfoto 2014-10-16 um 19.56.04

Der Kollege sah sich jedoch veranlasst, eine Szene zu machen und in seinem Blog zu einem Mimimi der Extraklasse auszuholen. Mit dem bemerkenswerten Schlusssatz, dass er sich von so „substanzloser Kacke“ nicht „anpissen“ ließe. Ja, eh. Knapp 6000 Zeichen deuten auf enorme Coolness.

Der Inhalt seines Textes? Relevante Teile handeln von (der unbestrittenen) Arbeitsintensität und -qualität seines Chefs, was aufmerksame Leser dazu bringen könnte, ein Muster zu erkennen.

Auch die Aufzählung anderer Kollegen, die Narodoslawsky bereits gelobt habe und die zeigen sollten, wie völlig normal der Gratulations-Tweet an seinen Vorgesetzten gewesen sei, lenkt nur von dem einen, kleinen Aspekt ab, auf den ich eigentlich hinweisen wollte:

WER SEINEN CHEF AUF TWITTER
IM DIREKTEN GESPRÄCH LOBT,

IST FÜR MICH EIN SCHLEIMER.

Meine Meinung. Und die vieler Anderer. So etwas sollte man (zumal als Journalist, der selbst gerne austeilt) aushalten, wie ich meine. Hätte man zum Bespiel ignorieren oder mit einem lässigen Schmäh parieren können. Oder ein herzhaftes „Volltrotteln“ absondern können. Dass Narodoslawsky mit Beleidigen und Abkanzeln kein grundsätzliches Problem hat, merkt man ja an seinem Blog-Beitrag.

Aber eine dünnhäutige Mobbing-Nummer abziehen? Jössas.

PS: Ich halte es nicht einmal für besonders schlimm, ein Schleimer zu sein. Ist ja nur eine Facette des Ganzen. Wir alle haben negative Seiten. Ich zum Beispiel kann ungerecht, jähzornig und unbeherrscht sein. Allerdings gestehe ich mir meine beträchtlichen Defizite ein. Und zu jedem, der dies ebenfalls wenigstens versucht, sage ich ein ernstgemeintes: Gratuliere!